Nachforschungspflichten des Immobilienmaklers

01.08.2017

von Mag. Stephan Gappmaier

Bei der Vermittlung von einem Objekt an einen Konsumenten treffen den Immobilienmakler weitreichende Nachforschungspflichten.

Grundsätzlich treffen den Immobilienmakler keine gesonderten Nachforschungspflichten und darf er, wenn er als Doppelmakler auftritt, Informationen des Verkäufers ungeprüft an den Käufer weitergeben, solange er keine Hinweise auf ihre Unrichtigkeit hat. Bei der ungeprüften Weitergabe darf der Makler nicht den Eindruck vermitteln, er habe den Inhalt der Information geprüft.

Vermittelt der Makler jedoch eine Eigentumswohnung an einen Konsumenten, so ist der Makler jedenfalls gemäß der jüngsten Judikatur des OGH (11. 7. 2016, 5 Ob 93/16m) verpflichtet Einsicht in das Grundbuch und den Wohnungseigentumsvertag zu nehmen und den Käufer über Besonderheiten dieses Vertrags aufzuklären, wenn diese von wesentlicher Bedeutung sind, wie etwa bei Bestehen eines abweichenden Aufteilungsschlüssels oder einer besonderen Benützungsregelung. Der Makler hat weiter auch durch Einsicht in das Grundbuch sich Kenntnis über den Umfang des ausschließlichen Nutzungsrechts des Wohnungseigentümers zu verschaffen und insbesondere zu prüfen, welche Räume und Flächen Zubehör‑Wohnungseigentum sind oder aufgrund einer wirksamen Benützungsregelung nur vom Käufer der Eigentumswohnung benützt werden dürfen. Hat der Makler Zweifel an einem dauernden und den Einzelrechtsnachfolgenden bindenden Nutzungsrecht, so hat er dies offen zu legen.

Kommt der Makler diesen Anforderungen nicht nach, so wird infolge eines Verstoßes gegen seine Aufklärungspflichten gegenüber dem Käufer schadenersatzpflichtig.

Die Entscheidung im Volltext finden Sie hier

 

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Nachforschungspflichten des Immobilienmaklers