Homeoffice im Trend: Was Sie aus arbeitsrechtlicher Sicht beachten müssen

25.08.2020

von Mag. Johannes Paul
Fachbereich: Arbeitsrecht


Dass Arbeitgeber mit Arbeitnehmern Vereinbarungen zur Erbringung von Arbeitsleistungen von zuhause aus treffen, ist an sich nichts Neues. Die Arbeitsleistung wird dabei meist unter Einsatz von IT erbracht, die Wohnung des Arbeitnehmers wird dadurch zum Arbeitsort.

Durch die aktuelle COVID-19 Krise erlangte Homeoffice jedoch eine noch nie dagewesene Bedeutung.

Man unterscheidet zwischen vollständigem und partiellem Homeoffice, bei Letzterem werden nur Teile der Arbeitsleistung im Homeoffice erbracht.

Homeoffice muss grundsätzlich zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbart werden, diese Vereinbarung ergänzt den Dienstvertrag. Zum Teil finden sich in Kollektivverträgen Rahmenbedingungen und Mustervereinbarungen zum Homeoffice. Sollte ein Betriebsrat bestehen, kommt auch eine Regelung im Rahmen einer Betriebsvereinbarung in Betracht. Die Homeoffice-Vereinbarung sollte die Rahmenbedingungen wie Ausstattung, Kostentragung, Erreichbarkeit des Arbeitnehmers regeln und kann entweder befristet oder auf unbestimmte Zeit geschlossen werden. Jedenfalls empfehlenswert ist die Vereinbarung von Kündigungsmöglichkeiten. Davon unberührt bleibt die Möglichkeit der vorzeitigen Beendigung wegen Vorliegen eines wichtigen Grundes.

In aller Regel wird bei Bestehen eines Betriebsrates diesem die entsprechende Vereinbarung mitzuteilen sein, da die Homeoffice-Vereinbarung grundsätzlich als Versetzung zu qualifizieren ist. Der Arbeitgeber hat im Rahmen der Vereinbarung auch die Arbeitsausstattung und die Arbeitsmittel zur Verfügung zu stellen. Zu tragen hat dieser auch die durch Homeoffice anfallenden Kosten wie zum Beispiel Strom oder Druckerpatronen. Der Arbeitgeber ist allerdings grundsätzlich nicht verpflichtet, Arbeitstische, Arbeitsflächen und Sitzgelegenheiten im Homeoffice einzurichten. Unter bestimmten Umständen kann auch vereinbart werden, dass der Arbeitnehmer selbst bestimmte Arbeitsmittel bereitstellen muss.

Zudem sind die einschlägigen arbeitnehmerschutzrechtlichen Bestimmungen zu beachten (zum Beispiel die ergonomische Gestaltung der vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellten Bildschirmgeräte).

Auch im Homeoffice gilt die Pflicht zur Aufzeichnung der Arbeitszeit. Hier genügen aber Saldenaufzeichnungen über die Dauer der Tagesarbeitszeit (dies wenn die Tätigkeit überwiegend in der Wohnung des Arbeitnehmers erbracht wird).

Nach den einschlägigen Bestimmungen der Datenschutzgrundverordnung ist der Arbeitgeber zudem verpflichtet, entsprechende technische und organisatorische Maßnahmen zur Datensicherheit zu ergreifen. Davon umfasst sind etwa Schulungen und Maßnahmen zur Sicherstellung, dass dienstliche Geräte im Haushalt des Arbeitnehmers sicher aufbewahrt werden. Auch Verschlüsselungen und Zugriffsbeschränkungen sind hier relevant.

Für die Dauer von Maßnahmen nach dem Covid-19 Maßnahmengesetz sind Arbeitsunfälle auch Unfälle, die sich im Zusammenhang mit der Beschäftigung am Aufenthaltsort des Versicherten (Homeoffice) ereignen. Der Aufenthaltsort des Versicherten gilt dabei als Arbeitsstätte. Diese Bestimmung ist auf Versicherungsfälle, die sich ab 11.03.2020 ereignet haben, anwendbar und gilt bis 31.12.2020.

 

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