ImmoESt – Relevanz der Grundstücksgröße bei Hauptwohnsitzbefreiung

23.06.2017

von Mag. Petra Walkner

Seit dem Stabilitätsgesetz 2012 sind Veräußerungsgewinne aus dem Verkauf von Grundstücken grundsätzlich steuerpflichtig (Immobilienertragssteuer), wenn nicht ein Befreiungstatbestand zur Anwendung kommt. Der Tatbestand der Hauptwohnsitzbefreiung gemäß § 30 EStG ist verwirklicht, wenn der Veräußerer seit der Anschaffung oder Herstellung des Eigenheims bzw. der Eigentumswohnung dort seinen Hauptwohnsitz

+    durchgehend mindestens seit 2 Jahren (Tatbestand 1) oder

+    mindestens 5 Jahre innerhalb der letzten 10 Jahre vor der Veräußerung (Tatbestand 2)

hatte und in beiden Fällen dieser Hauptwohnsitz aufgegeben wird. Die Befreiung gilt sowohl für das Gebäude, als auch für Grund und Boden. Bei größeren Grundstücken war jedoch nach den EStR 2000 nur der Grundanteil bis zu 1000 m² befreit. Da der Gesetzestext eine diesbezügliche Beschränkung nicht vorsieht, erging am 29.03.2017ein Urteil des VwGH zur Zahl Ro 2015/15/0025, wonach die Befreiungsbestimmung dahingehend auszulegen sei, dass dem begünstigen Eigenheim der Grund und Boden in jenem Ausmaß zuzuordnen ist, das üblicher Weise als Bauplatz erforderlich ist. Nur in diesem Ausmaß erstreckt sich die Steuerbefreiung auf den mitveräußerten Grund und Boden. Die Beurteilung, welche Grundstücksgröße üblicher Weise für einen Bauplatz erforderlich ist, erfolgt nach der Verkehrsauffassung.

Zusammenfassung: Relevanz der Grundstücksgröße bei den Befreiungstatbeständen der Hauptwohnsitzbefreiung gem. § 30 EStG: soweit die Grundstücksgröße die Größe eines üblichen Bauplatzes für ein Eigenheim übersteigt, ist der Verkauf steuerpflichtig.

Die Entscheidung des VwGH im Volltext finden Sie hier.

 

 

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