Vertrauensgrundsatz beim Ski- und Snowboardfahren

16.12.2016

von Mag. Sarah Abel

Der Oberste Gerichtshof hat in seiner Entscheidung zu 8 Ob 90/15s klargestellt, dass auch beim Wintersport der Vertrauensgrundsatz gilt. Dieser ist in § 3 Straßenverkehrsordnung (StVO) geregelt und besagt im Wesentlichen, dass Straßenbenützer darauf vertrauen dürfen, dass andere Personen die für die Benützung der Straße maßgeblichen Rechtsvorschriften befolgen. Ausdrücklich ausgenommen hiervon sind Kinder, Sehbehinderte oder anders körperlich Beeinträchtigte sowie Personen, die sich auffällig verhalten. Gemäß Straßenverkehrsordnung hat der Lenker eines Fahrzeuges sich gegenüber derartigen Personen, insbesondere durch Verminderung der Fahrgeschwindigkeit und durch Bremsbereitschaft so zu verhalten, dass eine Gefährdung dieser Personen ausgeschlossen ist.

Konkret ging es um einen 7-jährigen Skifahrer, der zwei Meter außerhalb der Piste stehengeblieben war und unvermittelt, ohne auf die anderen Skifahrer zu achten, wieder in die Piste einfuhr. Grundsätzlich dürfe auf ein verkehrs- oder in diesem Fall pistengerechtes Verhalten von Kindern nicht vertraut werden. Allerdings musste im konkreten Fall, da das 7-jährige Kind  zwei Meter außerhalb der Piste stehengeblieben war, nicht mit einer starken Verminderung der Geschwindigkeit reagiert werden, da in dieser Situation nicht mit dem Losfahren gerechnet werden musste. Dem erwachsenen Snowboardfahrer war daher kein Sorgfaltsverstoß vorzuwerfen.

Festzuhalten ist aber, dass auch im Wintersport der Vertrauensgrundsatz gilt und grundsätzlich Kinder davon ausgenommen werden. Bei der rechtlichen Beurteilung ist dann auf die konkrete Situation abzustellen.

Die Entscheidung im Volltext finden Sie hier

 

Dieser Beitrag wurde sorgfältig recherchiert und zusammengestellt.
Eine Haftung für die Richtigkeit wird nicht übernommen.

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Vertrauensgrundsatz beim Ski- und Snowboardfahren