Zurechnung von Vermietungseinkünften eines minderjährigen Kindes bei Vermögensverwaltung durch den Vater

29.04.2021

von Mag. Petra Walkner
Fachbereich: Immobilien- und Steuerrecht

Ein minderjähriges Kind ist grundbücherlicher Eigentümer einer Liegenschaft. Zugunsten des Vaters ist im Grundbuch ein Belastungs- und Veräußerungsverbot einverleibt. Die Liegenschaft wird vermietet, wobei zu beachten ist, dass der Mietvertrag vom zuständigen Pflegschaftsgericht genehmigt werden muss. Die aus der Vermietung der Liegenschaft erzielten Einkünfte sollen dem Kind zugerechnet werden, der Vater wickelt jedoch als gesetzlicher Vertreter alles ab (Verwaltung des Verrechnungskontos mit Mieteinnahmen, Aufwände, etc). Einnahmensüberschüsse werden vom Vater auf ein mündelsicheres Sparbuch des Kindes überwiesen, welches bis zum Erreichen dessen Volljährigkeit vom Pflegschaftsgericht gesperrt ist.

Es stellt sich nun die Frage, ob die Einkünfte aus der Vermietung dem Kind zugerechnet werden können?

Die Finanzverwaltung stellt sehr strenge Anforderungen an die steuerliche Anerkennung bei Nahebeziehungen im Familien- und Verwandtenkreis.
Ausschlaggebend für die steuerliche Zurechnung von Einkünften ist die wirtschaftliche Betrachtungsweise. Der zivilrechtlichen Gestaltung kommt nur eine Indizienwirkung zu. Die zivilrechtlich beschränkte Geschäftsfähigkeit des Kindes und dadurch notwendige Vertretung durch den Vater hindert jedoch nicht die Zurechnung der Einkunftsquelle zum Kind.
Wesentlich für die steuerliche Anerkennung der Vermietung der Liegenschaft ist, dass dem Kind die Einnahmen aus der Vermietung zukommen und von ihm auch die Werbungskosten getragen werden.
Sohin ist der Einnahmensüberschuss aus der Vermietung Verfügungen durch den Vater entzogen.

Die Motivation von Eltern in derartigen Konstellationen ist meist die Schaffung einer sicheren Wertanlage und Zukunftsvorsorge für ihre Kinder und nicht ein Gestaltungsmißbrauch der Zurechnung von Einkünften aus Vermietung.

 

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Zurechnung von Vermietungseinkünften eines minderjährigen Kindes bei Vermögensverwaltung durch den Vater